Die Abbildtheorie der Wahrheit ist eine gängige Konzeption der Wahrheit und wird in der Regel von erkenntnistheoretischen Realisten vertreten. Diese Theorie geht davon aus, dass zwischen unseren Vorstellungen von der Welt und der Welt eine Ähnlichkeit bestehen muss, damit eine Annahme wahr genannt werden kann. Wahre Aussagen über die Welt müssen also mit Tatsachen oder Sachverhalten übereinstimmen. Daher wird diese Theorie auch Korrespondenztheorie oder Adäquationstheorie genannt.
So ist der Satz p: "Der Mount Everest ist 8848 Meter hoch." genau dann wahr, wenn der beschriebene Sachverhalt besteht, also der Mount Everest 8848 Meter hoch ist. Folglich gilt: 'Ein Satz "p" ist wahr, wenn p.' Wahre Sätze drücken also Tatsachen oder Sachverhalte der Welt aus. Die Abbildtheorie der Wahrheit wurde u.a. vom frühen Wittgenstein vertreten und wird in der Gegenwart etwa von John R. Searle vertreten.
Die Stärke der Abbildtheorie liegt darin, dass sie unseren Intuitionen sehr nahe kommt: Wir gehen in der Regel davon aus, dass es in der Welt Sachverhalte gibt, die sich in Sätzen formulieren lassen. Sätze, denen kein Sachverhalt entspricht, sind falsch.
Allerdings hat die Abbildtheorie eine entscheidende Schwäche: Sie gibt kein Kriterium an, wie man erkennt, ob ein Satz mit der Welt übereinstimmt. Gegen diese Theorie wird daher häufig eingewandt, dass man gar nicht erkennen kann, ob ein Satz mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Schließlich kann man immer nur Sätze mit Sätzen vergleichen, niemals aber direkt Sätze mit der Wirklichkeit an sich. Die Abbildtheorie ist also kriterial leer.