Arnold Gehlen

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Arnold Gehlen (1904 - 1976), deutscher Philosoph und Soziologe, war Vertreter der Philosophischen Anthropologie (zusammen mit Max Scheler und Helmuth Plessner).

Gehlen beschäftigte sich mit dem Wesen des Menschen, das die Vertreter der Philosophischen Anthroplogie nicht mehr aus dem Vergleich zwischen Gott und Mensch herauszuarbeiten versuchten, sondern aus dem Verlgeich zwischen Mensch und Tier. Somit sucht die Philosophische Anthropologie die Ursprünge des menschlichen Geistes nicht in dem göttlichen Hauch, sondern sieht sie tief verwurzelt in den vitalen Grundlagen des menschlichen Daseins. Denn Geist entspringt aus dem grundlegenden Unterschied der Instinktreduktion des menschlichen Wesens: im Vergleich zum Tier können dem Menschen lediglich Instinktresiduen zugesprochen werden, während das Tier voll und ganz seinen Instinkten ausgeliefert ist. Woher stammt aber diese Freisetzung des menschlichen Geistes? Wie Portman beobachtet hat, entwickelt sich der menschliche Körper nicht vollständig im Mutterleib, sondern der Mensch verbringt ein sog. extra-utinäres Frühjahr. Damit ist der Mensch, im Vergleich zum Tier, nicht mit einer Erbmotorik ausgestattet, sondern muss sich ein Erwerbmotorik aneignen. Menschliche Bewegungen, und das schließt nicht nur taktile sondern auch alle anderen sinnlichen Erfahrungen mit ein, sind somit ein Teil der menschlichen Erfahrung. Daher argumentiert Gehlen auch, dass der Descarte'sche Dualismus von Leib und Seele aufgehoben werden müsse und arguemetiert statt dessen für die Einheit des menschlichen Wesens (wie später noch eingehend an den Begriffen "Handlung" und "Erfahrung" erläutert wird).

Der Mensch als Mängelwesen

Im Allgmeinen bezeichnet Gehlen den Menschen als "Mängelwesen",was bedeutet, dass neben neben den Instinkten dem Menschen auch an körperlicher Ausstattung mangelt, um in einer spezifischen Lebens-Umwelt zu überleben. Beispielsweise fehlt dem Menschen das Fell,um der Kälte zu trotzen. So ist der Mensch dazu gezwungen zu handeln. Das Besondere am Handlungsbegriff fasst Gehlen als die Erfahrungen auf, die Menschen im handeln machen. Erfahrungen definiert er als Rückmeldungen aus den Erfolgen des Handelns. Insofern ist Handeln eine "Kreisbewegung" (den Begriff übernimmt Gehlen von von Weizsäcker), an der sich der Mensch als Lernwesen konstituiert. Handeln verändert der Mensch die Natur zu seinen Zwecken und schafft sich Kultur; Gehlen sagt also, dass der Mensch in seiner Konstitution ein Kulturwesen ist, da er nur so (über-)lebensfähig ist. Eine Form kultureller Ausprägungen ist die Technik. Technik ist für Gehlen die Mögllichkeit, Organe zu entlasten, übersteigern oder ersetzen. Technische Erfindungen helfen dem Menschen, sich selbst in widrigsten Umwelten Lebensraum zu verschaffen; deshalb spricht Gehlen vom Menschen auch als dem nicht festgestellten Tier: die Chance, prinzipiell in allen natürlichen Umwelten zu siedeln.

Gleichzeitig bedeutet die Nicht-festgestelltheit des Menschen auch, dass er von Natur aus einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt ist, da er sich nicht instinktiv orientieren kann. Deshalb sind Aussenstabiliserungen menschlichen Handelns und sich-in-Gesellschaft-befindes von Nöten, um nicht hilflos seinen eigenen Trieben und den Ansprüchen der offen Welt ("Weltoffenheit) ausgeliefert zu sein. Dies erreicht der Mensch über Institutionen, die Handlungen stabilisieren und auf Dauer stellen. Der Institutionen ist weit gefasst und umfasst alle Einrichtugen, die dem Menschen Orientierung in der Welt bieten, wie bspw. die Ehe, den Ackerbau oder auch die Sprache. Der Sprache kommt jedoch für Gehlen eine besondere Rolle für das Wesen des Menschen zu: In Sprache speichert der Mensch nämlich seine Erfahrungen. Sprachliche Symbole machen des Weiteren Abwesendes verfügbar, so dass Erfahrungen erster Hand nicht mehr notwendig sind. Der Mensch bricht den Bannkreis des Unmittelbaren bringt Inneres und Äußeres auf eine eigene Zwischenebene. Somit ist der Mensch eine Wesen des Symbolgebrauchs, ein animalum symbolicum (wie Cassirer gesagt hat). Daring auch eine wesentliche Grundlage für den menschlichen Geistes: denn das Denken ist eine der entcheidenden Folgen des Symbolgebrauchs, welches auch durch die Sicherheiten der Institutionen für das menschliche Leben geistige Ressourcen freigesetzt hat. Sprache schafft es außerdem, das ungerichtete Triebleben des Menschen zu organisieren, indem es dies formuliert: die Menschen können ihre Bedürfnis in sozialer Übereinkaunft definieren. Denn der Mensch hat das Bedürfnis nach Bedürfnissen und kann mit Sprache Interessen formulieren. Denn der Handlungsdruck des Menschen wird durch den Geist gebremst und organisiert, das nennt Gehlen den Hiatus (der zwischen Reiz und Reaktion gesetzt wird) oder wir können auch einfach von dem Denken sprechen. Da das Denken in Symbolen sich vom Hier und Jetzt lösen kann, kann es auch in die Zukunft gerichtet werden - anders als das Tier es tut. Der Mensch handelt nach einem Plan, den er entworfen hat, er kann sich Vorstellungen vom Hunger machen und somit sein heutiges Handeln an morgigen Bedürfnissen orientieren. Auch Phantasie, als Vorstellungskraft des Abwesenden, und Charakter, als die auf Dauer gesetzten Interessenformulierungen, sind somit Wesenarten des Menschen.

In der Spätfassung seines Hauptwerkes "Der Mensch" hat Gehlen eine ausführliche Abhandlung zur Entstehung seiner Institutionenlehre verfassst. Dieser Theorie zufolge sind Institutionen keine zweckmäßigen, funktionalen Erfindungen, sondern entspringen dem ideativen Bewusstsein. In Anlehnung an George Herbert Meads Identitätsbegriff begreift Gehlen die Entwicklung von Selbstbewusstsein aus einem Nicht-Ich. Dazu wählte eine Gruppe in archaischen Gesellschaften ein Totem, mit dem sie sich Identifiziert hat und mit der sie sich eine Gruppenidentität in Abgrenzung zu anderen Gruppen mit anderen Totemtieren geschaffen hat. Das Totem funkgiert zu Beginn also als Richtpunkt für Identität außerhalb der Gruppe, die später dann zur Entwicklung personaler Identität innerhalb der Gruppe geführt hat. Aus der gemeinsamen Orientierung auf das Totem kristallisieren sich schließlich Handlungsverpflichtungen innerhalb der Gruppe heraus, die dem Menschen erst als sekundäre objektive Zweckmäigkeiten entgegentreten. Handeln basiert also auf einer Soll-Qualität, die andere Handlungsmöglichkeiten verwirft, wobei diese Soll-Qualität als "natürlich" erscheint.

Literatur

Gehlen, Arnold (1961): Anthropologische Forschung. Zur Selbstbegegnung und Selbstentdeckung des Menschen. Hamburg. Gehlen, Arnold (2004): Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der Welt.

--Michael roslon 22:27, 26 November 2008 (CET)

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