Events lassen sich in einem ersten Zugriff als bis ins Detail geplante, in der Regel aus kommerziellen und/oder weltanschaulichen Interessen heraus organisierte Veranstaltungen begreifen, deren „erklärtes“ (und möglicherweise auch im erkenntnistheoretischen Sinne erklärendes) Ziel die Herstellung eines alle Teilnehmer umfassenden „Wir-Gefühls“ ist. Diesem Ziel dient typischerweise die Vernetzung verschiedener interaktiver Unterhaltungsangebote und eine kultursynkretistische Verschmelzung unterschiedlichster Kunst-Fragmente in allein nach ästhetischen Kriterien konstruierten Spektakeln. Dadurch entsteht symptomatischer weise der Eindruck eines „totalen Erlebnisses“, welches wiederum situativ quasi-spontane Gemein-schaftsbildungen evoziert, verstärkt und mitunter sogar in enthusiastisch-ekstatische soziale „Verschmelzungen“ transformiert.
Selbstverständlich ist der Geselligkeitstyp 'Event' nicht gänzlich neu. Auch manche historischen Feste und Feiern – wie beispielsweise die römischen Circusspiele oder die großen Feste der Französischen Revolution – weisen typische Event-Elemente auf. Unter den Bedingungen einer „anderen Moderne“ nehmen Events allerdings an Zahl und Bedeutung zu. Hinzu kommt, dass auch traditionale und klassisch bürgerliche Feste und Feiern einer zunehmenden Eventisierung unterliegen. Kurz: U.E. übernehmen Events für das Entstehen und die Stabilisierung von Gemeinschaft und gemeinschaftlicher Zugehörigkeit und Identität mehr und mehr die Funktionen, die traditionell Feste und Feiern hatten.
Diese Feststellung gilt (wiederum) insbesondere für Szenen, denn Events sind die typischen Fest- und Feierformen von Szenen. Als aus dem Alltag der „anderen“ Moderne herausgehobene, raum-zeitlich verdichtete, interaktive Performance-Ereignisse besitzen sie eine hohe Anziehungskraft für relativ viele Menschen. Diese Anziehungskraft resultiert wesentlich aus dem „Versprechen“ eines - szenespezifisch verstanden - typischer¬weise verschiedene kulturelle Äußerungsformen und Handlungskomplexe übergreifenden hohen Erlebniswertes.
Events transportieren den Teilnehmern gegenüber das Versprechen außergewöhnlicher Chancen, sich wie in einem Kollektiv-Vehikel aus Lebens-Routinen heraustransportieren zu lassen und zeitweilig an symbolisch vermittelten, mehrkanaligen sinnlichen 'Anregungen' zu partizipieren. In diesem Sinn sind Szenen und Events miteinander korrespondierende Rahmenbedingungen für posttraditionale Vergemeinschaftungen.
Ronald Hitzler, Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie, ISO Fakultät 12, TU Dortmund