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Mit dem Begriff der „Frankfurter Schule“ wird eine Gruppe von Wissenschaftlern um den Philosophen und Sozialwissenschaftler Max Horkheimer genannt. Die Begrifflichkeit bürgerte sich in den 1960er Jahren in Abgrenzung zu der „Münsteraner Schule“, „Kölner Schule“ und „Marburger Schule“ ein und bezieht sich primär auf das Wirken des „Instituts für Sozialforschung“ (IfS) in Frankfurt am Main. Angelehnt an Horkheimer, wurde auch vom „Horkheimer Kreis“ gesprochen (vgl. Korte: 136). Vielfach wird der Frankfurter Schule ein Einfluss auf die Studentenbewegung der 1968er-Jahre zugeschrieben.
Die Gründung des IfS geht auf den Sohn eines Frankfurter Großkaufmanns – Felix Weil – zurück. Gemeinsam mit Kurt Albert Gerlach und Friedrich Pollock entwickelte er den Plan für ein „Institut für Sozialforschung“, welches 1924 gegründet wurde. Wie der erste Direktor des Instituts, Carl Grünberg, bei seiner Eröffnungsrede herausstellte, bekannte sich das Institut offen zum Marxismus als wissenschaftliche Methode und Gesellschaftstheorie (vgl. Kailitz: 58). Als Gründungsmitglieder fungierte neben Weil und Pollock auch Horkheimer, welcher 1930 dem zwischenzeitlich schwer erkrankten Grünberg als Direktor des Instituts folgte (vgl. Wiggershaus: 27). In der Folgezeit gründete er u.a. mit Leo Löwenthal, Friedrich Pollock, Erich Fromm und Theodor W. Adorno die „Zeitschrift für Sozialforschung“ (vgl. von Friedeburg: 7). Als Folge der nationalsozialistischen Machtübernahme emigrierte das IfS 1933 zunächst nach Genf, um sich 1934 der Columbia University in New York anzugliedern. Zwischenzeitlich war auch Herbert Marcuse für das IfS tätig (vgl. Kailitz: 59).
Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus bemühten sich die Stadt und das Land nachhaltig um eine Rückkehr des IfS an die Frankfurter Universität. Vor diesem Hintergrund wurde es 1950 als private Stiftung mit öffentlichen Mitteln wiedererrichtet und als Soziologisches Seminar in die Philosophische Fakultät integriert. Somit nahmen Horkheimer, Pollock und Adorno ihre Arbeit in Frankfurt wieder auf (vgl. von Friedeburg: 9).
Horkheimer begründete die Kritische Theorie aus den Schwächen der traditionellen Theorie. Dabei bewertete er zweitgenannte als Selbsterhaltungsinstrument der bestehenden Gesellschaft und lehnte die vielfach bestehende Trennung zwischen gesellschaftlicher Realität und wissenschaftlicher Arbeit ab. Letzteres hielt er problematisch, da solche Theorieansätze oftmals nicht auf die gesellschaftlichen Verhältnisse anwendbar erschienen, damit die Realität auszublenden und der Gesellschaft eine abstrakte Theorie über sich selbst zur Verfügung zu stellen. Dabei ist hervorzuheben, dass ein wesentliches Kennzeichen der Kritischen Theorie in dem Selbstverständnis lag, nicht nur eine akademische Übung zu sein, sondern sich als ein bestimmtes Verhalten des Menschen innerhalb der Gesellschaft verstand. Horkheimers Kritik an den politisch-ökonomischen Verhältnissen fanden ihre Basis dabei in der historisch-materialistischen Geschichtsauffassung von Karl Marx, auf dessen Klassen-Kategorien er sich explizit stützte (vgl. Korte: 141ff.).
Die Kritische Theorie und ihre Darstellung durch Horkheimer et. al. lösten den so genannten „Positivismusstreit“ zwischen Adorno/JürgenHabermas und Karl Popper/Hans Albert aus. Dabei stand – Wiggershaus folgend – nachstehende Frage im Mittelpunkt: „Kann man Sozialwissenschaft sinnvoll betreiben allein mit dem Ziel, einen logisch-deduktiven Zusammenhang zwischen vermeintlichen Tatsachen herzustellen.“ (Wiggershaus: 45) Wichtig erschien den Frankfurter Soziologen dabei die Feststellung, dass jeder Forscher sein Verhältnis zu Gesellschaft, Forschung und Wissenschaft reflektieren muss, da wissenschaftliche Theorien eine enge Kausalität mit geschichtlichen und gesellschaftlichen Bedingungen vorweisen. Gleichzeitig verwiesen sie auf den ambivalenten Charakter von Wissenschaft, da diese einerseits eine Befreiung der Menschen bedeutete, andererseits neue Abhängigkeiten (z. B. durch die Industrialisierung) geschaffen habe: „Adorno und Horkheimer nennen diesen doppeldeutigen Prozeß ‚Dialektik der Aufklärung’ und meinen damit die grundsätzliche Möglichkeit des Scheiterns und Umschlagens von Emanzipationsprozessen. So schlägt Aufklärung über Entfremdung um in neue Entfremdung.“ (Stangl)
• Theodor W. Adorno
• Norbert Elias
• Erich Fromm
• Jürgen Habermas
• Max Horkheimer
• Herbert Marcuse
• Friedrich Pollock
(vgl. von Friedeburg: 3ff.)
von Friedeburg, Ludwig: Geschichte des Instituts für Sozialforschung. http://www.ifs.uni-frankfurt.de/institut/ifs_geschichte.pdf
Kailitz, Susanne: Von den Worten zu den Waffen? Frankfurter Schule, Studentenbewegung, RAF und die Gewaltfrage. Wiesbaden 2007, S. 58
Korte, Hermann: Einführung in die Geschichte der Soziologie. 8. Auflage, Wiesbaden 2006
Stangl, Werner: Der kritische Theorieansatz. http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/WISSENSCHAFTPAEDAGOGIK/ModellKritisch.shtml
Wiggershaus, Rolf: Frankfurter Schule – Zur Geschichte einer kritischen Gesellschaftstheorie und Sozialphilosophie in Deutschland. aus: Hansen, Klaus (Hrsg.) Frankfurter Schule und Liberalismus, Baden-Baden 1981, S. 27-46
J. Linkelmann