Hans-Georg Soeffner

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Hans-Georg Soeffner

Inhaltsverzeichnis

Zur Person

Hans-Georg Soeffner wurde kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 16. November 1939 in Essen geboren und wuchs im Ruhrgebiet und in Tübingen auf. Er studierte in Tübingen, Köln und Bonn Philosophie, Soziologie, Vergleichende Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Kommunikationswissenschaften, u.a. bei den Philosophen Walter Schulz (1912–2000), Ernst Bloch (1985–1977) und dem Soziologen Ralf Dahrendorf (geb. 1929). Soeffner war während der Studienzeit in den 1968er-Jahren zunächst wie viele seiner Kommilitonen politisch aktiv, distanzierte sich jedoch wegen des herrschenden Dogmatismus wieder von den linken Gruppierungen. Seine akademische Auseinandersetzung mit dem utopischen Denken fand Ausdruck in seiner 1972 abgeschlossenen Dissertation Der geplante Mythos. Untersuchungen zur Struktur und Wirkungsbedingung der Utopie (Soeffner 1974). Hier vertrat er die These, die Utopie sei als Träger praktischer, geschichtsverändernder Vernunft im Kern von der Idee eines permanenten gesellschaftlichen Fortschritts geprägt und ruhe auf dem Fundament aufklärerischer Verantwortungsethik für die Gestaltungsfolgen des eigenen, menschlichen Handelns. Damit bilde die Utopie eine klare Opposition zu jeder Form von Status-Quo-Ideologie, laufe aber zugleich Gefahr, in antihumanen Determinismus und Kollektivismus zu verfallen.

Nach dem Studium befasste Soeffner sich verstärkt mit Sprache und Kommunikationstheorie. Von 1967 bis 1974 arbeitete er am ›Institut für Kommunikationsforschung und Phonetik (IKP)‹ an der Universität Bonn unter Leitung von Gerold Ungeheuer, der in den 1970er-Jahren im Anschluss an die Arbeiten von Alfred Schütz eine sozialwissenschaftlich fundierte und intentionalistisch ausgerichtete Kommunikationstheorie entwickelte (vgl. Soeffner & Luckmann 1999). Nach Tätigkeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent an den Universitäten Bonn und Essen habilitierte Soeffner 1976 mit einer Arbeit über Basiskonzepte der Kommunikationstheorie. Von 1979–1984 war er Sprecher der Sektion ›Sprach¬soziologie‹ (seit 2000 umbenannt in ›Wissenssoziologie‹, vgl. www.wissens¬soziologie.de), von 1980–1994 Professor für Soziologie an der FernUniversität Hagen und anschließend Nachfolger auf dem Lehrstuhl von Thomas Luckmann an der Universität Konstanz. 2006 wurde er emeritiert. Seit 2007 ist er amtierender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, DGS.

Einflüsse und Werk

In Soeffners Werk ist zum einen das Denken seines philosophischen Lehrers Walter Schulz spürbar. Eine zweite wichtige Quelle ist die philosophische Anthropologie von Helmuth Plessner, dessen Grundkonzepte Soeffner übernimmt (z.B. Soeffner 2004b). Den dritten entscheidenden Einfluss bezieht er aus Thomas Luckmanns phänomenologisch begründete Sozialtheorie, mit dem Soeffner weite Bereiche seines Forschungsfeldes teilt, u.a. zur Religions- sowie zu Sprach- und Wissenssoziologie. Schließlich werden im Werk Soeffner auch Prägungen durch die Theorie und Forschungspraxis von Anselm Strauss sichtbar, mit dem Soeffner zusammen Feldexplorationen durchführte. Der vom amerikanischen Pragmatismus und Blumers symbolischen Interaktionismus beeinflusste Strauss entwickelte mit Barney Glaser in den 1960er-Jahren den Ansatz der Grounded Theory (Strübing 2006). Soeffner entdeckte bei Strauss das hermeneutische Potenzial der Grounded Theory als systematisches Auslegungsverfahren. Strauss war zudem ausschlaggebend für Soeffners Interessenverlagerung von einer primär über sprachliche Zeugnisse vermittelten zu einer stärker ethnografischen Forschungspraxis (für explizite Bezüge zwischen Soeffner und Strauss vgl. (Soeffner 1991a; Soeffner 2006b); sowie Soeffner in: Reichertz 2004: 12).

Wissenssoziologische Hermeneutik

Mit der ›wissenssoziologischen Hermeneutik‹ entfaltet Soeffner einen neuen interpretativen Theorieansatz, der ein eigenständiges kultursoziologisches Forschungsprogramm enthält. Damit schließt er konsequent an die Tradition einer wissenssoziologisch fundierten Soziologie des Verstehens an, erweitert sie allerdings in Richtung auf eine deutlich kultursoziologisch profilierte Gesellschaftstheorie. Wie Kurt (2006: 185) hervorhebt, nimmt die wissenssoziologische Hermeneutik ihren Ausgang beim Einzelnen, denn »[i]n der soziologischen Kulturtheorie von Hans-Georg Soeffner bildet das freie, selbstverantwortlich handelnde Individuum den Dreh- und Angelpunkt«. Wesentliche Impulse für die Entstehung der wissenssoziologischen Hermeneutik gehen zurück auf eine von Soeffner im November 1977 an der Universität Essen organisierte Tagung über ›Interpretative Verfahren in den Sozial- und Textwissenschaften‹, bei der alle damals relevanten Ansätze qualitativer Sozialforschung diskutiert wurden und die zum ersten Mal ihre Hauptvertreter im deutschsprachigen Raum zusammenbrachte (u.a. Luckmann, Oevermann, Schütze, Ehlich, Rehbein, Gros). Die anschließende Veröffentlichung (Soeffner 1979) spielte eine Schlüsselrolle für die Etablierung der interpretativen Sozialforschung in Deutschland. Trotz zahlreicher Einflüsse zeichnet sich Soeffner Œuvre durch eine unverwechselbare Theorieanlage mit einer eigenständigen wissenschaftstheoretischen Position aus, die sich stark an der geisteswissenschaftlichen Tradition orientiert. Das formt die ›wissenssoziologische Hermeneutik‹ als Ansatz, der im Kanon der interpretativen Forschung als spezifisch deutscher Beitrag gelten darf und dessen Resonanz außerhalb des deutschsprachigen Raumes bedauerlicherweise noch viel zu gering ist. In mancher Hinsicht ähnelt die wissenssoziologische Hermeneutik der von Ulrich Oevermann vertretenen ›objektiven‹ bzw. ›strukturalen Hermeneutik‹ (zur Einführung vgl. Wernet (2000), eine kritische Auseinandersetzung bietet Reichertz (1986). In beiden Varianten wird die Sequenzanalyse als Verfahren methodisch kontrollierter Interpretation praktiziert. Allerdings weicht Soeffner in wesentlichen Punkten von Oevermann ab. Obwohl beide in ihrer Arbeitsweise und Methodik durchaus Gemeinsamkeiten aufweisen, divergieren die Theorieannahmen beider deutlich. So teilt Soeffner etwa den starken und optimistischen Strukturbegriff Oevermanns nicht, weil er »die Suche nach latenten Sinnstrukturen für ein eher metaphysisches als für ein empirisches Problem« hält (Soeffner in: Reichertz 2004: 6). Das wichtigste Werk Soeffner ist das 1989 erstmalig erschienene und 2004 neu aufgelegte Buch Auslegung des Alltags – Der Alltag der Auslegung, das unter seinen Veröffentlichungen zweifellos den größten Einfluss auf die interpretative Sozialtheorie und -forschung im deutschsprachigen Raum ausgeübt hat. Hier entfaltet Soeffner den von ihm entwickelten und praktizierten Ansatz einer wissenssoziologisch ausgerichteten ›wissenssoziologischen Hermeneutik‹. Diese Hermeneutik (zur Einführung vgl. Kurt 2004) hat zahlreiche Vorläufer: Wilhelm Dilthey (1833–1911) als Begründer der Erkenntnistheorie der Geisteswissenschaften und Hauptvertreter der hermeneutischen Wissenschaften, der an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zur Zentralfigur der Lebensphilosophie in Deutschland avancierte. Gegenüber der auf die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung zielenden erklärenden Naturerkenntnis zeichnet sich nach Dilthey (2004[1900]) die wissenschaftliche Erkenntnis von Kulturobjekten dadurch aus, dass sie aus ihrem Inneren heraus verstanden werden muss und er konzipiert im Dreischritt von Erleben, Ausdruck und Verstehen das Basismodell der Erkenntnis in den Geistes- und Kulturwissenschaften. Hermeneutik ist diesem Verständnis nach die Kunst der Auslegung – im engen Sinne von Texten, generell aber von Kulturprodukten überhaupt. Bei Gadamer (1960) erhält die Hermeneutik eine starke Erweiterung durch die Feststellung, dass alles Wissen auf einem Verstehen beruht, welches in der Auslegung artikuliert werden muss. Soeffner charakterisiert die Soziologie in Anschluss an das Weberschen Postulat von Verstehen und Erklären deshalb treffend als ›rückwärts gewandte Prophetie‹: Als »Rekonstruktion der gesellschaftlichen Konstruktion und der Konstruktionsbedingungen von Wirklichkeit« (Soeffner 1999: 40). Wissenssoziologische Hermeneutik kennzeichnet er als einen über Methodologie und Verfahrensrepertoires hinausgehenden »spezifisch historisch-selbst¬reflexi¬ve[n] Erkenntnisstil mit der Hintergrundannahme, dass es kein abschließendes, ahistorisch absicherbares Wissen, keine endlösende Gesellschaftstheorie« (Soeffner 1999: 48) gebe – in dieser Hinsicht stellt die wissenssoziologische Hermeneutik also weder Methode noch in Theorie im engen Sinne dar. Vielmehr handelt es sich um einen Forschungsstil, der auf Grundlagen intensiver materialer Datenanalyse und deren Interpretation zu theoretisch gehaltvollen Aussagen über relevantes Phänomen der Gegenwartskultur gelangt. Sie ist damit ein soziologisches Unterfangen, das dezidiert zwischen Empirie und Theorie angesiedelt ist.

Symboltheorie

Soeffners kultursoziologisches Werk erstreckt sich auf Beiträge, die einen klaren grundlagenbezogenen, sozialtheoretischen Zuschnitt aufweisen. Prominent ist in dieser Hinsicht zweifellos seine Symboltheorie, in der Soeffner wesentliche Aspekte aus der Schützschen Symboltheorie und von Luckmanns Ritualbegriff aufgreift (Dreher 2003). So übernimmt Soeffner die Dreiteilung der ›mittleren‹ Transzendenzen bei Schütz, entwickelt sie aber in einem anders zugeschnittenen ›Drei-Sphären-Modell‹ fort. Soeffner hebt die paradoxe Struktur von Symbole hervor: In ihrer »präargumentative[n] Vereinigung und zugleich Artikulation von Widersprüchen« (Soeffner 1991b: 73) können durch Symbole »miteinander scheinbar unverträgliche Bedeutungen, Gefühle, Werte und Tendenzen zu einer bildhaft ausgeformten widersprüchlichen Einheit« (1991b: 74) verknüpft werden. In ihrer Unmittelbarkeit sind sie in der Lage, Widersprüchliches zu einer Einheit zusammenzuziehen und eine Wirklichkeit ›sui generis‹ zu stiften: »Symbole verleihen dem argumentativ nicht Mitteilbaren, dem diskursiv nicht Ausdrückbaren eine eigene Sprache [...]. Symbole sind Kommunika¬tions¬materialien für Außeralltägliches und Außergewöhnliches«. (1991b: 75). Das spezifische Vermögen von ›Kollektivsymbolen‹ besteht darin, ›Gemeinschaft ohne Kommu¬nikation‹ (Jaspers) zu stiften. Dieses Vermögen wird gestiftet durch das, was Soeffner in explizitem Anschluss an Husserl und Schütz als ›Appräsentation‹ bezeichnet und aus einer dreistellige Beziehung zwischen einem appräsentieren¬den Element, einem appräsentierten Element und dem Bewusstsein gebildet wird. In unserer Sozialisation durchlaufen wir eine ›Auslegungslehre‹, eine Art ›naturwüchsige Ausbildung‹, eine in der Interaktion vermittelte Fähigkeit des Umgangs mit der Zeichenhaftigkeit und Deutungsnotwendigkeit unserer natürlichen und sozialen Umwelt – und zwar in doppelter Hinsicht: in dem Erleben der Bedeutungen der jeweils kulturell vorgegebenen Zeichen, Symbole und Sinnfiguren und in dem eher impliziten Erlernen des Auslegens selbst. Ihren im doppelten Wortsinn ›ursprüng¬lichen‹ sozialen Ort hat diese ›Lehre‹ in der Unmittelbarkeit der Mutter-Kind-Interaktion. Die Aneignung der Auslegung erfolgt in drei Sphären gesellschaftlichen Handelns und Wissens. In der innersten, die Soeffner als ›vis-a-vis-Beziehung der gegenseitigen Wahrnehmung, Steuerung und Kontrolle‹ bezeichnet, »vollzieht sich die Auslegung von Berührungen, Mimik, Bewegungen, Gesten, Handlungen, Gegenständen (in Zeige¬handlungen), Gerüchen – und gesprochener Sprache«. Sie bildet gleichsam den Kern, bei dem prototypisch und in Unmittelbarkeit und Symptomfülle der Gesichtsfeldbeziehung das Einmaleins der Ausle¬gungs¬fähigkeiten und Deutungsroutinen einstudiert wird. Die mittlere Sphäre wird gebildet im »Sektor des institutionell vermittelten gesellschaftlichen Handelns« und ist ›die Welt in potenzieller Reichweite‹, die durch »gesellschaftliches Handeln im Modus der Indirektheit« gekennzeichnet ist. Dahinter lagert, sorgsam abgegrenzt, »das Reich des symbolisch-vermittelten Wissens und Handelns, der symbolisch ausgeformte Kosmos der Weltbilder und der in sie eingelagerten Traditionen«. (1991b: 67) Diese drei Sphären sind aufeinander bezogen und existieren in Gleichzeitigkeit für uns. Für alle gelten Zeichen als sichtbare Re¬präsentanten der jeweiligen Sinnwelten, die jedoch in je unterschiedlicher Weise appräsentiert werden. In der ersten Sphäre herrscht ›immanente Transzendenz‹ der Appräsentation: Appräsentierendes und Appräsentiertes gehören zum gleichen geschlossenen Sinnbezirk. In der zweiten Sphäre stehen die ›symbolischen Appräsentationen erster Stufe‹, in denen das Appräsentierende in der Wirkwelt erscheint, während das Appräsentierte sich den jeweiligen gesellschaftlichen Konstruktionen und Auslegungen der Wirklichkeit verdanke. In der dritten Sphäre »legitimiert das Repräsentierte (das ›nicht wirklich Präsente‹) seinerseits die Erscheinung (das ›wirklich Präsente‹) als Abkömmling dessen, was (›in Wahrheit‹) wirklich ist« (Soeffner 1991b: 67). Das Erscheinende ist bedeutungslos ohne seinen transzendenten Hintergrund. Soeffner kennzeichnet dies als ›symbolische Appräsentation zweiter Ordnung‹. Mit der Ausdifferenzierung der verschiedenen Zeichentypen und Symbolordnungen zielt Soeffner auf eine Theorie der Kultur als System kommunikativ appräsentierter Ordnungen und betont unser ›Geworfensein‹ in eine Welt immer schon mit Bedeutung aufgeladener und gedeuteter Zeichen, Symbole und der durch sie ausgedrückten Sinnzusammenhänge. Zentral ist dabei die Feststellung, dass uns die Welt nicht erst sinnhaft und geordnet erscheint, »weil und sofern sie uns in Zeichen und Symbolen deutbar und interpretierbar ist«, sondern dass umgekehrt »die Zeichen selbst eine Ordnung suggerieren, da sie auf Zeichensysteme und Verkettungen verweisen«. Diese Ordnung ist aber eine nur vordergründige: »Die von uns konstruierten Zeichen-, Symbol- und Verweisungssysteme repräsentieren die Strukturen unserer Sinnorientierung. Ihre Systematik ist unser Produkt« (Soeffner 1991b: 66) – eine Systematik und Ordnung, die als soziale Konstruktion ihre prinzipielle Zerbrechlichkeit und Labilität nicht überwinden kann (Soeffner 2000b). Wirkung Soeffners Werk umfasst ein breites Themenspektrum. Es reicht von der Sprachsoziologie (Soeffner 1982) und Kommunikationstheorie (Krallmann & Soeffner 1973) über die Formen gesellschaftlicher Wissensorganisation, Punk (Soeffner 1986), Rechtsradikalismus bis hin zur Theatralität und schließt Arbeiten zur Religion (Soeffner 2000a; Soeffner 1992), Visualität (Soeffner 2000c; Soeffner & Raab 2004), Figurativen Politk (Soeffner & Tänzler 2002), Erinnerungspolitik (Soeffner 2006a), Gewalt (Soeffner 2004a), sowie Integration und ethnische Gruppenbeziehungen (Soeffner & Zifonun 2005; Neckel & Soeffner 2008) ein. Ein zusammen mit Jörg Bergmann und Thomas Luckmann publizierter Aufsatz zählt zu den frühesten Arbeiten einer interpretativen Analyse von Videodaten (Bergmann et al. 1993).Viele dieser Forschungsaktivitäten führte Soeffner gemeinsam mit internationalen Kollegen durch, zu denen neben Luckmann und Strauss Berger und Anselm auch Samuel Huntington zählt. Er leitet zahlreiche Forschungsprojekte, unter anderem zur Kommunikation, zu Todesnäheerfahrungen, zu Visionen, zu Individualitätsvorstellungen in den USA und Europa, zur Kulturellen Globalisierung, zur Repräsentanz des Politischen in den Medien und zur Visualität und ist auch jenseits der Wisenschaft bekannt für seine fundierten kultursoziologischen Analysen, die sich von Religion, Wissens, Recht, Gewalt bis zu Stil Inszenierung und Darstellung von Individualität erstrecken.

Selbst wenn Soeffner im Sinne der intellektuellen Beweglichkeit der Soziologie ausdrücklich keine eigene Schule ausgebildet hat, hat die wissenssoziologische Hermeneutik mittlerweile zahlreiche weitere Forschungen nach sich gezogen. So steht die wissenssoziologische Hermeneutik (Hitzler & Honer 1997) in engem Bezug zur ethnografischen Lebensweltanalyse (Honer 2004). Von Reichertz (2003) ist die wissenssoziologische Hermeneutik als Interpretationsansatz in Richtung auf eine an Peirce geschulter ›Abduktion‹ erweitert worden. Sie wird gegenwärtig insbesondere für wissenssoziologische Analysen der Politik (Soeffner & Tänzler 2002; Müller et al. 2002; Raufer 2005), deutsche Erinnerungspolitik (Zifonun 2004), mediale Diesseitsreligion (Reichertz 2000), Individualität und Stil (Müller 2009) sowie für die Analyse von visuellen Dokumenten (Raab 2001; 2002; Raab & Tänzler 1999; 2002; 2006; Soeffner & Raab 2004) und eine Soziologie visuellen Wissens (Schnettler 2008) fruchtbar gemacht und wird damit über die Tradition eines reinen Textauslegungsverfahrens hinaus zu einer expliziten sozialwissenschaftlich-hermeneutischen Interpretationstechnik für eine visuelle Wissenssoziologie (Raab 2008).

Literatur

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Bernt Schnettler

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