Induktion, quantitative

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Die quantitative Induktion ist der Schluss von einer Reihe von Einzelfällen auf ein allgemeines Gesetz. So wird beispielsweise aus der einzelnen Tatsache, dass jeder Stein, den man fallen lässt, zu Boden fällt, geschlossen, dass im Allgemeinen "alle Steine fallen". Allerdings gibt es bei der Induktion das Problem, dass ein Schluss von einer Reihe von Einzelfällen auf ein allgemeines Gesetz nicht logisch zwingend gültig ist. Denn aus der Tatsache, dass bspw. Herr Meier bisher jeden Tag um 16.00 Uhr spazieren geht, folgt logisch nicht, dass er dies auch in Zukunft tun wird. Dieses Problem ist in der Logik und in der Philosophie häufig diskutiert worden („Induktionsproblem“). Eine Induktion liefert also keine allgemeingültigen Gesetze. Das Problem geht in seiner klarsten Formulierung auf den englischen Philosophen David Hume zurück: D. Hume, Eine Abhandlung über den menschlichen Verstand, übersetzt und herausgegeben von Herbert Hering, Stuttgart 1994, S. 41f.

Da nun aber naturwissenschaftliche Theorien traditionell zumeist nach allgemeingültigen Theorien als Erkenntnisideal streben, stellt das Induktionsproblem eine Herausforderung für dieses Wissenschaftsverständnis dar. Wenn man allgemeine Naturgesetze auf induktivem Weg also nicht sicher begründen kann, so muß man sich entweder mit einer stets nur hypothetischen Gültigkeit jener Wissenschaften zufrieden geben oder versuchen, den Allgemeinheitsanspruch der Wissenschaft nicht induktiv zu begründen. Karl Popper gilt als Vertreter der ersten Lösung, während Kants Philosophie als Beispiel für die zweite Möglichkeitlich angesehen werden kann.

Karl Popper schlägt als Antwort für die Wissenschaften das Programm der "Falsifizierung" (Widerlegung) vor. Da allgemeine Gesetze nicht induktiv durch Einzelbeobachtungen bewahrheitet (verifiziert) werden können, sollten Wissenschaftler ihre Aussagen als Hypothesen betrachten, die dann sehr wohl durch Einzelbeobachtungen widerlegt ("falsifiziert") werden können. Popper vergleicht diesen Vorgang des Wissensgewinns in einem "Try-and-error-Verfahren" mit der Art, wie ein biologischer Organismus oder eine Gattung Informationen gewinnt, und versucht so, eine Brücke zwischen Evolutionärer Erkenntnistheorie und Wissenschaftstheorie zu schlagen.


siehe auch Abduktion

Autor: Jo Reichertz

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