Der Begriff Institution ist nicht synonym mit dem Begriff der Organisation - auch wenn beide Begriffe Gemeinsamkeiten haben. Dabei ist der Begriff der Institution der grundsätzlichere - Organisationen werden nämlich hier verstanden als spezielle Unterfälle von Institutionen. Institutionen ihrerseits sind immer Ergebnis von Prozessen der Institutionalisierung. „Organisationen können als historische Ausprägungen institutioneller Ordnungen angesehen werden. [...] Den Kern und das Herz von Institutionen, institutionellen Ordnungen und Organisationen bildet vielmehr ein Komplex von eng miteinander verknüpften Handlungen, Interaktionen und primären Legitimationen“ (Knoblauch 1997: 11).
„Institutionalisierung findet statt, sobald habitualisierte Handlungen durch Typen von Handlungen reziprok typisiert werden. Jede Typisierung, die auf diese Weise vorgenommenen wird, ist eine Institution. Für ihr Zustandekommen wichtig sind die Reziprozität der Typisierung und die Typik nicht nur der Akte, sondern auch der Akteure. […]. Die Institutionen […] macht aus individuellen Akteuren und individuellen Arten Typen“ (Berger & Luckmann 1970: 58). Bei Institutionalisierungen handeln nicht mehr bestimmte und konkrete Subjekte auf ihre je eigene Weise miteinander, sondern alle Beteiligten behandeln in typisierter Weise einander als Typen von Personen (z.B. als Braut, Gast oder Kellner). Institutionen sind immer auf den Dritten und damit auf Gesellschaft angewiesen. Wenn nur zwei Menschen mit- und füreinander Verhalten wiederholen und damit als typisch erfahrbar machen, dann ist das noch keine Institutionalisierung.
Zur Institutionalisierung transformiert sich die Typik des Handelns erst, wenn sie gegenüber Dritten als typisch vorgeführt oder von Dritten als typisch erwartet wird. Deshalb können Institutionen nicht plötzlich entstehen, sondern sie sind gesellschaftlich erarbeitet und verbürgt. „Institutionen haben immer eine Geschichte, deren Geschöpfe sie sind. Es ist unmöglich, einen Institution ohne den historischen Prozeß, der sie heraufgebracht hat, zu begreifen“ (Berger & Luckmann 1970: 58). Aus der oben angesprochenen Verbürgtheit von Institutionen resultiert zwar auch eine (oft nicht geringe) Verhaltenserwartung, aber der Begriff Institutionalisierung fokussiert hier in erster Linie nicht die Verpflichtung, nicht die normative Erwartung, sondern vor allem erst einmal die reziproke Typisierung.
Institutionalisierung wird hier also verstanden als der Prozess der Herausbildung reziproker Handlungs- und Akteursrollen und nicht als die Herausbildung von Geschäftstellen zur Verwaltung, Nutzung und Optimierung der Institutionen.
Berger, Peter & Thomas Luckmann (1970). Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Frankfurt/Main.
Knoblauch, Hubert (1997). Die kommunikative Konstruktion postmoderner Organisationen, in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, H 2, S. 6-23.