Kommunikation mit und ohne Geschichte

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Kommunikation mit Geschichte und Kommunikation ohne Geschichte

Untersucht man kommunikative Handlungen, die, wenn sie aufeinander Bezug nehmen, sich zu einer Kommunikation verweben, dann ist eine erste Differenzierung meist sinnvoll: nämlich die zwischen Kommunikationen, die über eine eigene Bildungsgeschichte verfügen, und keine eigene Bildungsgeschichte aufweisen.

Zur ersten Sorte gehören alle Kommunikationen, in die Menschen im Alltag verwickelt sind, weil sie einen gemeinsamen Alltag haben und auch immer wieder schaffen: Eltern, Partner, Kinder, Familie, Freunde und Bekannte. Man kennt sich, weil man eine gemeinsame Geschichte hat – auch eine gemeinsame Kommunikationsgeschichte. Die Erwartungen an den jeweils anderen sind diffus und unspezifisch, nur geformt von der gemeinsamen Geschichte. Es muss nicht mehr alles gesagt und ausgehandelt werden, weil es bereits früher kommuniziert wurde. Jede neue kommunikative Handlung schleppt die Geschichte der Kommunizierenden mit sich, erneuert und erweitert sie, ergänzt sie, verfestigt sie oder bricht sie auch ab. Diese Verankerung jeder Kommunikation in der Vergangenheit erleichtert, aber erschwert auch kommunikatives Handeln.

Zu den Kommunikationen ohne eigene Bildungsgeschichte zählen all die Kommunikationen, die mit Vertretern von Organisationen (Behörden, Unternehmen etc.) geführt werden. Hier greift man beim kommunikativen Handeln (von Ausnahmen abgesehen) nicht auf eine gemeinsame Geschichte zurück. Vieles muss deshalb vorab gesagt und festgestellt werden. Die Erwartungen an den anderen sind meist klar umrissen (Bitte neues Nummernschild ausstellen!) und dessen Adressierung und Verhalten rollenförmig.


Autor: Jo Reichertz

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