Lévi-Strauss, Claude

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Lévi-Strauss, Claude (geb. 1908 in Brüssel) ist französischer Ethnologe und Anthropologe und gilt als Begründer des Strukturalismus, da er de Saussures sprachwissenschaftliche Strukturanalyse auf das Verwandschaftssystem archaischer Gesellschaften hin angewendet hat, also auf die Formen sozialer Ordnung und kommunikativen miteinander Handelns.

Lévi-Strauss hat die Ideen der strukturalen Sprachwissenschaft auf die Ethnographie übertragen, indem er die Strukturen der Formen des Zusammenlebens und -handelns einerseits und der Rolle der Sprache für Handlungs- und Bedeutungszusammenhänge. Lévi-Strauss stellt nämlich fest, dass „(a)ny culture can be considered as a combination of symbolic systems headed by language“ (Lévi-Strauss 1987:16). Die grundlegende Idee der Ordnung einer Kultur ist der Gedanke der Reziprozität, in welcher das Selbst und der Andere über den Tausch das Intersubjektivitätsproblem überwinden. Tausch, aufgrund der Werte der Tauschgüter, ist gelebte Ordnung. Diese resultiert aus der dahinter stehenden, gedachten Ordnung - also einer Ordnung der Ordnungen (vgl. Lévi-Strauss 1967: 342f.), womit Levi-Strauss nichts anderes meint, als die strukturale Ordnung. Die Struktur leitet also unbewusst das Handeln an und ist nicht lediglich die Ordnung der Welt, sondern auch ihre ständige Reproduktion. Die Rolle der Sprache sieht Lévi-Strauss als einen Spiegel der Kultur aber auch als gleichzeitig als Teil der Kultur. Insofern ist Struktur auch doppelt arrangiert, denn sie muss sowohl als etwas Kollektives als auch als mentale Struktur vorhanden sein. Der soziale Charakter der Struktur ist in den mentalen Strukturen des Einzelnen zu suchen und manifestiert sich im Handeln. Die grundlegenden Strukturen sind den Akteuren als solche nicht bewusst. Die symbolischen Ordnungen wirken damit unbewusst als soziales Faktum im Individuum und strukturieren dessen Geist nach Vorgabe der Kultur. Allerdings besitzen die symbolischen Codes selbst keinen Sinn für die Subjekte, sondern dieser liegt in der Logik als Differenzsystem selbst. Die Aufgabe der Strukturanalyse ist es diese Unterscheidungen herauszuarbeiten. Strukturen sind ahistorisch und somit wird dem kommunikativen Handeln nicht die Macht zugesprochen, die Praxis des symbolischen Handelns zu variieren. Lediglich aufgrund von "Transformationsregeln" (Vgl. Lévi-Strauss 1962, Kapitel II, III.) können sich symbolische Ordnungen wandeln, bei denen allerdings symbolische Systeme selbst ihre Wandlung vornehmen. Dies geschieht über sinnfremde Ereignisse, die zwar den Inhalt, aber nicht die Struktur der symbolischen Ordnung transformieren. Der Wert des Symbols bleibt also, wie bei de Saussures Modell, gleich. Als Beispiel dient Lévi-Strauss immer wieder die Form der Verwanschaftssysteme in archaischen Gesellschaften: insb. das "Avunkulat" (vgl. Lévi-Strauss 1967: 54f.) - eine Form der Onkelbeziehung, bei der dem Onkel, anstelle des Vaters, priviligierte Rechte bei der Erziehung eingeräumt werden - erklärt soziale Organisation als ein rein im Bewusstsein der Menschen verankerte Bindung. Somit ist auch ein Verwandschaftssystem, so natürlich es uns auch erscheint, auch nur ein symbolisches System. (vgl. Lévi-Strauss 1967: 66f.; 76).

Literatur

Lévi-Strauss, Claude (1962): Das wilde Denken. Frankfurt a. M.
Lévi-Strauss, Claude (1967): Strukturale Anthropologie. Frankfurt a. M.
Lévi-Strauss, Claude (1980): Mythos und Bedeutung. In: Adelbert Reif [Hrsg] (1980): Fünf Radiovorträge. Gespräche Claude Lévi-Strauss. Frankfurt a. M.
Lévi-Strauss, Claude (1987): Introdution to the work of Marcel Mauss. Norfolk.

--Michael roslon 22:29, 26 November 2008 (CET)

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