Der Medienbegriff gehört unbestritten in die Reihe jener wissenschaftlichen Grundbegriffe, die gleichermaßen stark verbreitet, mehrfach konnotiert und nicht ohne Weiteres enggeführt werden können. In sehr grundsätzlicher Weise bezeichnet „Medium“ eine Zwischenposition, eine Mittelstellung, einen Vermittler (vgl. Hoffmann 2002; Hörisch 2001).
In der publizistischen bzw. kommunikationswissenschaftlichen Tradition werden dann unter „Medien“ vor allem die so genannten Massenmedien rubriziert: Zeitung, Hörfunk, Fernsehen, Internet. Und in einer speziellen, nämlich soziologisch-gesellschaftstheoretischen Perspektive (à la Parsons und Luhmann) bezeichnet „Medium“ vor allem so genannte Austausch- und Steuerungsmedien wie Sprache, Geld und Macht zum Zwecke erfolgreicher Kommunikation bzw. gesellschaftlicher Integration (vgl. Künzler 1989).
Im Rahmen einer mediensoziologischen Theorieperspektive und funktionalistischen Argumentation hat Ziemann (2006: 17) jüngst folgende Definition vorgeschlagen: „Medien sind gesellschaftliche Einrichtungen und Technologien, die etwas entweder materiell oder symbolisch vermitteln und dabei eine besondere Problemlösungsfunktion übernehmen. Sie verfügen über ein materielles Substrat [...], welches im Gebrauch oder durch seinen Einsatz Wahrnehmungen, Handlungen, Kommunikationsprozesse, Vergesellschaftung und schließlich soziale Ordnung im Generellen ermöglicht wie auch formt.“ Daran lässt sich eine analytische Formenunterscheidung koppeln, die zwischen Wahrnehmungsmedien (z.B. Sinnesorgane), Verständigungsmedien (z.B. Sprache), Verbreitungsmedien (z.B. Presse und Fernsehen), kommunikativen Steuerungs-/Erfolgsmedien (z.B. Geld, Macht, Wahrheit) und städtebaulichen Ordnungsmedien (z.B. Architektur oder Verkehrsinfrastruktur) differenziert (vgl. Ziemann 2006: 18ff.). Solcher Art wird der Medienbegriff dem Schnittfeld zwischen Gesellschafts-, Kultur- und Medientheorie unterstellt; und in der Forschung für entsprechende Wechselwirkungen sensibilisiert.
Literatur:
Hoffmann, Stefan (2002): Geschichte des Medienbegriffs. Hamburg: Meiner.
Hörisch, Jochen (2001): Der Sinn und die Sinne. Eine Geschichte der Medien. Frankfurt/Main: Eichborn.
Künzler, Jan (1989): Medien und Gesellschaft. Die Medienkonzepte von Talcott Parsons, Jürgen Habermas und Niklas Luhmann. Stuttgart: Enke.
Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. 2 Teilbände. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
Vogel, Matthias (2001): Medien der Vernunft. Eine Theorie des Geistes und der Rationalität auf Grundlage einer Theorie der Medien. Frankfurt/Main: Suhrkamp.
Ziemann, Andreas (2006): Soziologie der Medien. Bielefeld: transcript.
Autor: Andreas Ziemann (Bauhaus-Universität Weimar; Fakultät Medien)