Pragmatische Maxime

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Ein gutes Verfahren, zu brauchbaren Begriffsdefinitionen zu gelangen, hat Charles Sanders Peirce formuliert: die Pragmatische Maxime. Sie hilft dabei, Rekonstruktionen von Begriffsbedeutungen zu erreichen. Denn Ideen und Begriffe sind für Peirce nur mithilfe der pragmatischen Maxime zu klären: „Überlege, welche Wirkungen, die denkbarerweise praktische Auswirkungen haben könnten, wir den Gegenständen unseres Begriffes in der Vorstellung zuschreiben. Dann ist unser Begriff jener Wirkungen das Ganze unseres Begriffes des Gegenstandes“ (Peirce 1976: 454). Mit dieser Formulierung besteht Peirce darauf, dass es sinnlos ist, Begriffe abstrakt zu definieren, da sie keine in ihnen ruhende Bedeutung haben, sondern dass sie stets Handlungen und Handlungsmöglichkeiten bezeichnen. Da hier nicht der Platz ist, die Fruchtbarkeit dieser Bedeutungs¬theorie auszuweisen, werde ich im Weiteren lediglich – ganz defensiv – beanspruchen, dass eine solche Theorie der Bedeutung für die Gesamtfragestellung meiner Studie nützlich sein wird.

Was fordert nun die pragmatische Maxime im Einzelnen? Sie fordert zu überlegen, welche denkbaren Handlungsweisen vorstellbar sind, oder besser: ausgelöst werden durch das, was der Begriff «herbeibringt». Die Summe aller vorstellbaren Handlungsweisen oder genauer: die begriffliche Fassung dieser Handlungsweisen macht die Bedeutung eines Begriffes aus. „Der volle intellektuelle Bedeutungs¬inhalt irgendeines Symbols besteht in der Gesamtheit aller allgemeinen Formen rationalen Verhaltens, die aus der Annahme des Symbols konditional in Bezug auf alle möglichen verschiedenartigen Um¬stände und Bestrebungen folgen“(ebd.). Etwas einfacher formuliert Peirce an anderer Stelle: „Um die Bedeutung eines Gedankens zu entwickeln, haben wir daher einfach nur zu bestimmen, welche Verhaltensweisen er erzeugt, denn was ein Gegenstand bedeutet, besteht einfach in den Verhaltensweisen, die er involviert“ (Peirce 1976: 193).

Dass die Bedeutung eines Begriffes nicht durch die Gesamtheit des von ihm herbeigeführten Handelns konstituiert wird, sondern durch die Begriffe der ausgelösten Handlungen, führt scheinbar in eine Schwierigkeit, macht aber zugleich eine zentrale Prämisse des Peirceschen Konzepts klar: Es ergibt sich nämlich das Problem, dass bei der vorgeschlagenen Lösung am Ende der Bedeutungsexplikation eines Begriffes erneut Begriffe stehen, welche einer Explikation harren. Dies würde einen endlosen Regress in Gang setzen, somit die Bedeutungsexplikation eines Begriffes boden- und grundlos werden lassen. Die Vorstellung fruchtlosen Regresses entsteht aber nur vor dem Hintergrund einer Theorie, welche hofft, bei der Begriffsexplikation den Raum der Sprache verlassen und zu dem Bezeichneten selbst, zum reinen Handeln kommen zu können. Die pragmatische Maxime betont dagegen, dass es in Begriffsexplikationen kein «jenseits der Sprache» geben kann – bei der Analyse operieren wir mit Begriffen, nicht mit Handlungen. Begiffs¬explikation in diesem Sinne heißt lediglich, die vor allem in abstrakten Begriffen kondensierten Handlungs¬möglichkeiten wieder sichtbar zu machen.

Bedeutungsunterschiede beruhen demnach auf unterschiedlichen praktischen Auswirkungen. Unterschiedliche Handlungstypen konstituieren unterschiedliche Bedeutungen . Will man also die Bedeutung eines Begriffes – auch eines wissenschaftlichen – rekonstruieren, muss man gemäß dem Programm der pragmatischen Maxime möglichst viele (vielleicht auch alle) von ihm ausgelöste Verhaltensweisen auflisten.

Noch eine «schöne» Stelle, welche die Peircesche Theorie der Bedeutung deutlich macht: „Der Pragmatismus ist das Prinzip, daß jedes theoretische Urteil, das sich in einem Satz in der Indikativform ausdrücken läßt, eine verworrene Form eines Gedankens ist, dessen einzige Bedeutung, soll er überhaupt eine haben, in seiner Tendenz liegt, einer ent¬sprechenden praktischen Maxime Geltung zu verschaffen, die als ein konditionaler Satz auszudrücken ist, dessen Nachsatz in der Imperativform steht“ (Peirce 1976: 339). Zur weiteren Ausdeutung der pragmatischen Maxime siehe auch Pape 1988: 278ff.


Literaur: Pape, Helmut (1988). Semiotischer Idealismus. Peirce Überwindung der Metaphysik durch die semiotische Analyse kultureller Evolu¬tion. In: Claussen, R./Daube Schackat, R. (Eds.), Gedankenzeichen. Tübingen: 277 289.

Peirce, Charles S. (1976). Schriften zum Pragmatismus und Pragmatizismus, herausgegeben von K.O: Apel und übersetzt von G. Wartenberg. Ffm.

Reichertz, Jo (1991). Aufklärungsarbeit. Stuttgart.

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