Quantitative Sozialforschung

Aus myKoWi.net - Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Die drei Axiome quantitativer Sozialforschung

Die quantitative Sozialforschung besitzt einen stabilen Glauben an drei Glaubenssätze (Axiome), nämlich dass (1) auch die Welt der sozialen Ordnung und die Welt der handelnden Akteure recht stabil, (2) von Gesetzmäßigkeiten bestimmt und (3) direkt oder indirekt beobachtbar sind. Und weil dies so ist, können diese Welten genau vermessen und auch Theorien zu ihnen entwickelt werden. Und - so der feste Glauben - die Theorien können auch in einem ,dichten‘ Verhältnis zu der jeweils untersuchten Welt stehen - entweder weil man aufgrund von Beobachtungen (also induktiv) Wissen von der Welt erlangt hat (das ist eine etwas ältere und heute weitgehend überholte Sicht) oder weil man aufgrund der Unterstellung von Gesetzen Annahmen über die Beschaffenheit von Welt abgeleitet und mittels empirischer Forschung entweder widerlegt oder bestätigt hat.

Nomologisch-deduktive Forschungsstrategie

Diese Verfahrensweise, die (wie Popper es einmal formuliert hat) ein aus Theorien geknüpftes Netz auswirft, um Stück für Stück die Welt einzufangen, wird, - da sie zu überprüfende Hypothesen aus Gesetzen (= nomoi) ableitet (deducere)- nomologisch-deduktiv genannt, und sie gilt heute weitgehend als Standard empirischer Sozialforschung. Ziel dieser Forschungsstrategie, die vor allem auf die Beseitigung falscher Hypothesen setzt, ist, möglichst nahe an die ,Wahrheit‘ heranzukommen.

Gütekriterien

Quantitativ orientierte Forscher verfügen über scharfe Gütekriterien - einerseits um sich von bestimmten Kollegen abzugrenzen, andererseits um bei konkurrierenden Theorien zwischen den Böcken und den Schafen unterscheiden zu können. Zentral hierfür sind neben den Kriterien der Repräsentativität der Datenauswahl und der Objektivität der Forschung und die Kriterien der Validität und Reliabilität.

Bedeutung numerischer Daten

Diese beiden Gütekriterien sind auf einen Teil des Forschungsprozesses bezogen, der als durchaus heikel gilt - nämlich auf den Teil der Forschung, in dem die ,harte‘ Wirklichkeit in wissenschaftlich verwertbare (in diesem Fall: numerische) Daten verwandelt wird. Hat man erst einmal die numerischen Daten, dann kann man mit der Hilfe von Logik und Mathematik Hypothesen und auch Theorien testen. Da die Güte von Logik und Mathematik außer Zweifel stehen, sind die entscheidenden Fragen alleine die, ob die Daten gut ausgewählt wurden (Repräsentativität) und ob gut gemessen wurde. Validität und Reliabilität beziehen sich nun genau und nur auf diesen Messvorgang. Sie geben handfeste Anhaltspunkte für den Wahrheitsgehalt von Aussagen.

Glaubwürdigkeit

Die strategische Bedeutung der beiden Begriffe innerhalb einer quantifizierenden Sozialforschung besteht also darin, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes das Fundament legen für die Glaubwürdigkeit wissenschaftlicher Forschung: ist das Fundament brüchig, wird das darauf ruhende Theorie-Gebäude bald einstürzen - ist dagegen das Fundament stabil, lassen sich selbst gewagte und weit gespannte Brücken bauen. Grund genug also, der Reliabilität und Validität bei jeder Forschungsarbeit größte Aufmerksamkeit zu schenken.

Autor: Jo Reichertz

Translate
Persönliche Werkzeuge