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Der Begriff Realismus wird in vielerlei verschiedenen Hinsichten verwendet und ist daher nicht eindeutig für eine bestimmte Position belegt. Grundsätzlich kann man zwischen zwei Bedeutungen des Realismus unterscheiden:
1) Der ontologische Realismus ist die These, dass die Welt unabhängig vom menschlichen Bewusstsein existiert. Also, die Behauptung, dass es eine Welt gib 2) Der erkenntnistheoretische Realismus behauptet, vereinfacht gesagt, eine Erkennbarkeit der Welt und der 'Dinge' in ihr, bei der das Subjekt weitgehend passiv ist.
Die erste These ist nur selten bestritten worden (etwa von Gorgias oder Berkeley). Eine Position, die die Existenz der Außenwelt (also These 1) bestreitet, wird Solipsismus genannt vom lat. solus ipse = „nur ich“. Die Position geht davon aus, dass ich existiere, aber alles andere keine Wirklichkeit hat.
Hier soll sich allerdings auf die zweite Bedeutung des Begriffs beschränkt werden (natürlich impliziert die zweite These die erste). Der Realismus behauptet somit:
[1) Es gibt eine Welt] 2) Wir können diese (mehr oder weniger) unvermittelt, d.h. passiv wahrnehmen und erkennen.
Ein Realist würde annehmen, dass unser Wissen über diese Welt aus dieser Welt stammt, d.h. daß wir, wenn wir etwas über die Welt erfahren wollen, nur unsere Augen aufmachen und in die Welt hinein schauen müssen, um zu erfahren, was der Fall ist. Eine solche Position wird daher zutreffender auch als Empirismus bezeichnet, da sie davon ausgeht, dass all unser Wissen aus der Empirie, also aus der Erfahrung stammt.
Das Subjekt ist bei der Erkenntnis passiv und ordnet sich gewissermaßen dem Objekt unter, um Erkenntnisse über die Welt zu erlangen. Ein Satz über die Wirklichkeit ist nach realistischer Auffassung dann wahr, wenn er mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Der Satz „Da vorne ist eine Tür“ ist genau dann wahr, wenn ,da vorne‘ eine Tür ist, ebenso wie der Satz „Wasser kocht bei 100°“ eben dann wahr ist, wenn Wasser bei 100° kocht.
Wahre Sätze müssen also mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Wahren Sätzen entsprechen Tatsachen in der Welt
Wenn man annimmt, dass es auch in der Mathematik oder in der Ethik wahre Sätze gibt, so folgt, wenn man zugleich Realist ist, dass es auch eine Welt der ,mathematischen‘ und ,moralischen‘ Tatsachen gibt. Man spricht dann von moralischem Realismus oder von einem Platonismus, nach dem griechischen Philosoph Platon, der eine eigene Welt der „Ideen“ annahm.
Diese Wahrheitstheorie nennt man in der Regel Korrespondenztheorie oder auch einfach Abbildtheorie: Wahre Sätze sind ein Abbild der Wirklichkeit. Gelegentlich spricht man daher auch vom Abbildrealismus. Wir alle sind in unserem Alltag Realisten, d.h. wir gehen davon aus, dass es Kaffeekannen, Autos, Häuser etc. gibt, und dass unsere Vorstellungen von diesen Dingen angemessen sind. Auch in der Philosophie wurde und wird der Realismus vertreten, wenngleich eine realistische Position heute eher die Ausnahme ist und zumeist zugunsten einer subjektivistischen Position aufgegeben wird.
Für den Realismus sprechen unsere alltäglichen Intuitionen, unsere Alltagserfahrung scheint ein guter Beleg für den Realismus zu sein. Auch der praktische Erfolg unseres Handelns legt einen Realismus nahe.
Gegen den Realismus wird häufig eingewandt, daß unsere Erkenntnis stets stark subjektiv geprägt ist und immer von Vorurteilen und Theorien geleitet ist, so dass wir die Welt gar nicht so passiv wahrnehmen, wie die meisten Realisten meinen.
Zweitens wird kritisch eingewendet, dass ein Vergleich zwischen der Realität 'an sich' einerseits und Erfahrungen und Urteilen andererseits nicht möglich sei, da uns zum einen die Realität nur über Erfahrungen gegeben ist und da uns kein übergeordneter Maßstab zur Verfügung stünde, der einen Vergleich zwischen sprachlichen Urteilen und ,sprachunabhängiger Realität‘ erlaube.
Die Thesen des Realismus lauten: �?� 1. Es gibt eine wirkliche Welt (ontologischer Realismus). �?� 2. Das Subjekt kann diese Welt erkennen (epistemologischer Realismus). �?� 3. Wahre Erkenntnisse der Welt stehen in einem Abbildverhältnis zu den Tatsachen der Wirklichkeit (Korrespondenztheorie).
Searle, R. , Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit, Zur Ontologie sozialer Tatsachen, Reinbek bei Hamburg, 1997
Wittgenstein, L., Tractatus logico-philosophicus, Logisch-philosophische Abhandlung, Frankfurt a. Main, 1960
Autor: Jo Reichertz