Watzlawicks Axiomatik der Kommunikation

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Inhaltsverzeichnis

1. Über den Autor

Paul Watzlawick war ein bekannter Kommunikationswissenschaftler, Psychoanalytiker, Philosoph und Soziologe, der 1921 in Österreich geboren worden ist. Nach dem Abitur studierte er Philosophie und Philologie an der Universität Venedig, wo er im Jahre 1949 im Fach Philosophie promoviert wurde. Danach folgte die Ausbildung in der Psychotherapie in Zürich. 1957 wurde er eingeladen, an der Universität San Salvador tätig zu sein. In jener Zeit waren seine Schwerpunkte Kommunikationswissenschaft und systemische Familientherapie. Aufgrund der Erforschung der Kommunikation der schizophrenen Patienten hat Watzlawick seine bekannten metakommunikativen Axiome entwickelt, die zum Thema dieses Referats geworden sind. Ab 1960 arbeitete der Gelehrte als Forschungsbeauftragter an einigen Forschungsinstituten und als Lehrbeauftragter an der Stanford University. Da er einen großen Beitrag zur =Kommunikationswissenschaft geleistet hat, wurde ihm zu Ehren der Paul-Watzlawick-Preis gestiftet.

2. Problemstellung

Wie oben schon erwähnt wurde, hat sich Watzlawick ziemlich lange mit der Kommunikation der Schizophrenen befasst. Die Forschungsergebnisse hat er den pragmatischen Axiomen der Kommunikation zugrunde gelegt. Im Rahmen dieser kurzen schriftlichen Referatsbearbeitung werden diese fünf Axiome dargelegt, Beispiele eingeführt und kritische Bemerkungen gemacht.

3. Axiome

Der Begriff „Axiom“ weist darauf hin, dass die Annahmen, die der Wissenschaftler gemacht hat, keinen Anspruch auf Vollständigkeit bzw. Endgültigkeit haben, was Watzlawick selbst betont hat (Watzlawick, S. 50)


Axiom 1: „Man kann nicht nicht kommunizieren“.

So lautet das erste grundlegende metakommunikative Axiom, das von Watzlawick abgeleitet worden ist. Jetzt werfen wir unseren Blick darauf, wie der Wissenschaftler überhaupt zu solchem Schluss gekommen ist und auf welchen Überlegungen diese Maxime beruht. Watzlawick unterscheidet zwei Bedeutungen des Ausdrucks „Kommunikation“: 1) als Wissensgebiet und 2) als Verhaltenseinheit. Da für die Begründung seiner These die zweite Bedeutung von größerem Gewicht ist, lassen wir die Definition der Kommunikation als Wissensgebiet nun außer Acht und konzentrieren uns auf die zweite Deutung. Im Rahmen dieser Verhaltenseinheit grenzt der Forscher die so genannte einzelne Kommunikation (oder eine Kommunikation) ab, die mit einer Mitteilung gleichgesetzt wird, während ein wechselseitiger Ablauf von Mitteilungen zwischen zwei oder mehreren Menschen als Interaktion benannt wird. Der Autor betont, dass das Material, aus dem die Kommunikation besteht, nicht nur auf Worte beschränkt werden muss, sondern auch zahlreiche mannigfaltige Mittel der nonverbalen Kommunikation (paralinguistische Komponenten – Intonation, Tonhöhe usw., Gestik, Mimik, Körperhaltung) einschließt, die man unter einem Begriff „Veralten“ fassen kann. Aus den oben genannten Thesen ergibt sich, dass jede Art der Kommunikation im Grunde genommen Verhalten ist. Dabei kann man aber nicht behaupten, dass jedes Verhalten Kommunikation ist, obwohl man unter bestimmten Bedingungen vom kommunikativen Charakter des Verhaltens reden kann. Nach Watzlawick hat Verhalten eine wesentliche Eigenschaft: Es hat kein Gegenteil, was seinerseits bedeutet, dass man sich nicht nicht verhalten kann. Verhalten ist ein unabdingbares Element des menschlichen Daseins, ein ununterbrochener Prozess. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Mensch unter den anderen Menschen befindet, oder ob er allein in einem Zimmer sitzt. Eben in diesem Punkt liegt der Unterschied zwischen dem Verhalten und der Kommunikation. Im Gegensatz zum Verhalten kann die Kommunikation nur dann zustande kommen, wenn noch zumindest ein Kommunikationspartner ins Spiel kommt. Was solche Kommunikationsformen wie innere Dialoge oder Halluzinationen anbelangt, so vermutet Watzlawick, dass sie auch nach dem gleichen Muster ablaufen könnten, aber er lässt diesen Aspekt beabsichtigt außer Acht und befasst sich ausschließlich mit der zwischenmenschlichen Kommunikation. In diesem Zusammenhang wird der Begriff „zwischenpersönliche Situation“ eingeführt. Ausgerechnet in dieser Hinsicht kann man dem Verhalten den kommunikativen Charakter zuschreiben. Der Ausdruck „kommunikativer Charakter“ impliziert Watzlawicks Verständnis der Kommunikation als sozialer Handlung, die zum Ziel hat, das Verhalten des Partners zu steuern. Hier kann man den Einfluss von Bühler nachvollziehen, der in seinem ersten Axiom der Sprachtheorie über die gegenseitige Steuerung in der Kommunikation spricht [Krallmann, Ziemann: 51]. Wenn man sich auf die These stützt, dass man sich nicht nicht verhalten kann, dann folgt daraus, dass man in einer zwischenpersönlichen Situation nicht nicht kommunizieren kann. Hier kann man sich auf ein weiteres Beispiel berufen. An der Haltestelle stehen eine junge Frau und ein Mann, der das Interesse zur Frau zeigt und versucht sie anzusprechen. Da die Frau wahrscheinlich von solchen zufälligen Bekanntschaften an Bushaltestellen nicht so viel hält, bemüht sie sich, die Kommunikation zu vermeiden. Sie nimmt stillschweigend die Zeitschrift aus der Tasche heraus und tut es so, als ob sie diese aufmerksam liest. Auf den ersten Blick kommuniziert sie nicht, aber in der Tat beeinflusst sie den potentiellen Gesprächspartner in dem Sinne, dass sie mit solchem Benehmen zu verstehen gibt, nicht angesprochen werden zu wollen, was dazu führt, dass der Mann aufgibt das Gespräch anzuknüpfen. Demzufolge kann man feststellen, dass die Vermeidung der Kommunikation selbst Kommunikation ist. Aus allen oben ausgeführten Argumenten lässt sich schließen, dass es unmöglich ist, in der zwischenmenschlichen Situation nicht zu kommunizieren. Im Anschluss an dieses Axiom bieten sich einige kritische Anmerkungen an, die wir jetzt kurz darstellen möchten. Der erste kritische Punkt betrifft die unserer Auffassung nach unangemessene Definition des Begriffs „eine Kommunikation“. Zwar hat der Gelehrte dieses Phänomen als das kleinste Element des umfangreichen Begriffs „Kommunikation“ im weiteren Sinne aufgefasst, trotzdem darf man nicht Kommunikation auf die Mitteilung reduzieren. Im Vergleich zur Interaktion tritt „eine Kommunikation“ gewiss erheblich seltener auf, aber man kann auch die Situation beobachten, in der sich nur einer der Gesprächspartner äußert und danach das kommunikative Ereignis endet. Solche Situation macht etwas mehr als reine Mitteilung aus. Vor allem geht es hier um die kommunikative Absicht, die nicht nur darin besteht, etwas mitzuteilen, sondern auch mithilfe dieser Botschaft eine bestimmte Reaktion beim Partner auszulösen, sein Verhalten zu beeinflussen. Man darf auch das wichtigste Ziel nicht außer Acht lassen: die Verständigung zu erreichen. [Ungeheuer: 160]. Unseres Erachtens gelten alle diese Voraussetzungen der Kommunikation, die überwiegend im Kontext des weiteren Verständnisses von Kommunikation ihre Anwendung finden, auch für solche Form der Kommunikation, die lediglich aus einem Redebeitrag besteht. Das nächste Phänomen, dem wir unsere Beachtung schenken möchten, ist die „zwischenpersönliche Situation“. In diesem Zusammenhang werden ein paar Voraussetzungen angegeben, die für die Entstehung der zwischenmenschlichen Situation notwendig sind, denn für die Kommunikation reicht nur das Vorhandensein zweier Partner nicht aus. Das Adjektiv „zwischenpersönlich“ bzw. „zwischenmenschlich“ impliziert eine sehr wichtige Bedingung – Interaktion, d. h. die Partner müssen sich aufeinander richten und zusammenwirken. Beispielsweise kann man von der „zwischenmenschlichen Situation“ im folgenden Beispiel nicht reden: Zwei Menschen stehen an der Bushaltestelle; der eine von ihnen liest die Zeitung, und der andere, der in seine eigenen Gedanken versunken ist, hört sich die Musik am MP3-Spieler an. In diesem konkreten Fall wird nur eine Voraussetzung erfüllt: die Präsenz von zwei Menschen. Die Kommunikation bedeutet aber viel mehr. In erster Linie müssen sich die potentiellen Kommunikationspartner einander wahrnehmen, aufeinander ihre Aufmerksamkeit richten. Deshalb scheint es uns angebracht, solchen Begriff wie „Szene gemeinsamer Aufmerksamkeit“ mit einzubeziehen, der von Tomasello ausgearbeitet worden ist: „Szenen gemeinsamer Aufmerksamkeit sind soziale Interaktionen, bei denen das Kind und der Erwachsene während einer bestimmten Zeit ihre Aufmerksamkeit auf einen dritten Gegenstand konzentrieren und außerdem jeweils gegenseitig auf die Aufmerksamkeit des anderen hinsichtlich dieses dritten Gegenstands achten.“ [Tomasello:117]. Obwohl bei Tomasello diese Erscheinung für eine der Voraussetzungen des Spracherwerbs bei den Kindern gehalten wird, kann man sie auch auf die allgemeine Face-to-Face-Kommunikation übertragen. Das war nur kleine Präzisierung zum Thema „zwischenmenschliche Kommunikation“. Nun kommt noch ein bedeutender kritischer Ansatz dazu: Wie es schon erwähnt wurde ist die kommunikative Absicht die allerwichtigste Komponente der Kommunikation [Burkart:25] Das bedeutet, immer wieder wenn man kommuniziert, erfüllt man damit eine bestimmte Absicht, das Verhalten des Gegenübers zu beeinflussen. In Watzlawicks Theorie taucht dieser Aspekt überhaupt nicht auf:

„…Man kann auch nicht sagen, dass Kommunikation nur dann stattfindet, wenn sie absichtlich, bewusst und erfolgreich ist…“ 

Die Tatsache, dass die Kommunikation nicht unbedingt erfolgreich sein muss, ist unbestritten, aber die Behauptung, dass die Kommunikation auch unbeabsichtigt stattfinden kann, scheint fragwürdig. Greifen wir zu einem Beispiel: Eine Studentin hebt unbeabsichtigt die Hand, um die Haare in Ordnung zu bringen, und der Professor deutet das als Wortmeldung und erteilt ihr das Wort. Dann stellt sich die Frage, ob man solche Art des Verhaltens auch als Kommunikation bezeichnen kann. Unserer Überzeugung nach, ist es unmöglich. Man kann in solcher Situation von einem Zufall reden, aber keineswegs von einer Kommunikation. Es kommt vor, dass die Kommunikation scheitert, wenn der Hörer die kommunikative Absicht nicht verstanden hat. Dann spricht man von dem Missverständnis, aber die Entstehung solches Missverständnisses setzt das primäre Ziel voraus, die Verständigung herbeizuführen. Deshalb ist die kommunikative Absicht aus der Kommunikation nicht wegzudenken. Solche Einstellung von Watzlawick lässt sich dadurch erklären, dass er sich auf Behaviorismus gestützt hat. Nach John B. Watson ist Behaviorismus eine Methode, die Erfahrung des Individuums vom Standpunkt seines Verhaltens untersucht. Das heißt, die Introspektion – individuelle Erfahrung des Menschen – wird vernachlässigt, weil sie dem externen Beobachter nicht zugänglich ist [Mead:40]. Da die kommunikative Intention zur individuellen Erfahrung gehört, kann sie nicht beobachtet und dementsprechend erklärt werden. Zum Schluss muss man noch ein paar Worte zur Formulierung des Axioms sagen. Aus der Begründung geht hervor, dass Watzlawick diese Hypothese auf die zwischenmenschliche Situation bezogen hat. Das wird aber nicht klar in der Aussage: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Von daher scheint es uns zweckmäßig, das Axiom zu ergänzen und folgenderweise darstellen: „In der zwischenmenschlichen Situation kann man nicht nicht kommunizieren“.

Axiom 2: Inhalts- und Beziehungsaspekte der Kommunikation.

Jede Mitteilung hat ihre Struktur, die nach Watzlawick zweigliedrig ist. Der Kernpunkt jeglicher Mitteilung ist die konkrete Information, die den Inhalt der Mitteilung bildet. Im Grunde genommen ist es die primäre Funktion der Mitteilung, Information zu vermitteln. Aber man darf die Mitteilung nur auf die Informationswiedergabe nicht beschränken, weil jede Mitteilung noch zusätzliche Information und zwar Andeutungen darauf einschließt, wie sich der Sprecher dem Hörer gegenüber verhält. Das bedeutet, dass jede Kommunikation nicht nur einen Inhalts-, sondern auch einen Beziehungsaspekt enthält. Manchmal spielt der Beziehungsaspekt die entscheidende Rolle in der Unterscheidung der inhaltlich fast gleichen Mitteilungen. Das lässt sich anhand der folgenden Beispiele beweisen. A) „Könnten Sie bitte das Fenster aufmachen?“ B) „Hey, du, mach das Fenster auf!“ Nach dem Inhalt sind die Sätze ähnlich: In beiden fordert der Sprecher den Hörer auf, das Fenster zu öffnen. Was die Beziehungen zwischen den beiden Kommunikanten angeht, so bilden die beiden Aussagen in einem bestimmten Sinne die Gegenpole. In der ersten Situation benimmt sich der Sprecher sehr höflich und anständig und weist Respekt vor dem Angesprochenen auf. Im zweiten Fall zeigt sich dagegen der Sprecher als frech und grob und dementsprechend behandelt er den Kommunikationspartner verachtend und erniedrigend. In Bezug auf diese Frage scheint es zweckmäßig die Mittel zu betrachten, die den Beziehungsaspekt offen legen. Dazu zählen sowohl die verbalen Mittel, als auch die nonverbalen, wie z. B. die Intonation. Darüber hinaus kann der Gesichtsausdruck sehr viel über das Verhältnis zwischen den Kommunikationspartnern sagen. Leider kann man im Rahmen der vorliegenden schriftlichen Arbeit diese „Ausdrucksmöglichkeiten“ nicht vorführen. Anhand des nächsten Beispiels wird die Bedeutung der Semantik für den Beziehungsaspekt vor Augen geführt.

          A: Ich bin heute Madonna begegnet.

B1: Echt? B2: Meinst du das ernst? Obwohl die beiden möglichen Reaktionen von B auf die Aussage von A Erstaunen ausdrücken, enthalten die Fragen verschiedene subtile Nuancen. Die erste Variante (B1: Echt?) fordert mehr Information und schließt die Glaubwürdigkeit der Äußerung über die Begegnung mit Madonna nicht aus. Der Partner zeigt sogar das Interesse an der Mitteilung. Im Gegensatz dazu klingt die zweite Frage recht skeptisch und misstrauisch und zieht die Behauptung von A in Zweifel. Sogar solche Phrase wie „Ich liebe dich“ kann auf sich verschiedene Perspektiven des Beziehungsaspekts ziehen. Einerseits kann man das ganz aufrichtig sagen, andererseits kann das ganz umgekehrt gemeint werden (z. B. „Oh Mensch, ich liebe dich“ = „Oh Mensch, du gehst mir auf die Nerven“ oder überhaupt = „Ich hasse dich“). Den Zusammenhang zwischen den beiden Aspekten kann man folgenderweise beschreiben: Der Inhaltsaspekt gibt die Information wieder, und der Beziehungsaspekt enthält die Andeutungen darauf, wie man diese Information auffassen soll. Auf diese Weise bekommen wir nämlich ein zweistufiges Modell: die erste Stufe wird mit dem Inhaltsaspekt dargestellt (Information), die zweite – mit dem Beziehungsaspekt (Information über die Information). Deshalb kann man den Beziehungsaspekt als Metakommunikation bezeichnen.

Axiom 3: über Struktur der Ereignisfolgen

Im Mittelpunkt dieses Axioms steht die Interaktion, die als ununterbrochenen Austausch von Mitteilungen aufgefasst wird. Daraus ergibt sich, dass die Interaktion kreisförmig abläuft und daher weder Anfang noch Ende hat. Aber um diesen Prozess zu strukturieren, hat Watzlawick den Begriff „Interpunktion“ eingeleitet, der einen subjektiv empfundenen Startpunkt der Interaktion bezeichnet. Am besten kann man die Erscheinung der Interpunktion anhand der Streitigkeiten erklären, weil die Teilnehmer immer davon überzeugt sind, dass der Partner den Streit ausgelöst hat. Ein klassisches Beispiel ist ein streitendes Ehepaar: der Mann zieht sich zurück und die Frau nörgelt ständig. Infolgedessen streiten sich die Eheleute. Um die Interpunktionen in dieser Situation zu zeigen, muss man die Kommunikation nicht in der Form des Kreises, sondern in folgender Form darstellen:

Im Grunde genommen gibt die Interpunktion den kausalen Zusammenhang des Streits wieder. Es wird nach der Ursache und nach der Wirkung gefragt. Betrachten wir zunächst diesen Konflikt aus dem Gesichtspunkt der Ehefrau: für sie ist die Interpunktion – die Zurückhaltung des Mannes. Dementsprechend reagiert sie auf solches Benehmen mit Nörgeln. In Augen des Ehemannes sieht die ganze Situation umgekehrt aus: die Ursache des Streits liegt eben im Nörgeln der Frau. Die Folge des Verhaltens der Frau ist die Zurückhaltung des Mannes. Daraus kann man schließen, dass es praktisch unmöglich ist, ganz genau den Anfang der Interaktion zu bestimmen. Aus diesem Grund hat die Interpunktion den relativen und subjektiven Charakter. Interpunktion spielt eine bedeutende Rolle in der Deutung der Natur der Beziehungen im Rahmen der Interaktion. Deshalb klingt das Axiom selbst folgenderweise: Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens Partner bedingt.

Axiom 4: Digitale und analoge Kommunikation.

Watzlawick unterscheidet zwei Kommunikationsformen: analoge und digitale, die ermöglichen, Objekte darzustellen. Wenn man die Objekte durch Namen ausdrückt, dann spricht man von der digitalen Kommunikation. Die Besonderheit dieser Art der Kommunikation zeigt sich dadurch, dass kein Zusammenhang zwischen dem Gegenstand und der Bezeichnung besteht. Zum Beispiel nennt man Stuhl als „Stuhl“ nicht aufgrund der Ähnlichkeit oder anderes Verhältnisses, sondern weil es solche Konvention in der Gesellschaft gibt. Tatsächlich könnte der Stuhl eventuell als „Tisch“ bezeichnet werden, oder umgekehrt Tisch als „Stuhl“, aber aufgrund der so genannten gesellschaftlichen Übereinkunft benutzt man solche Namen für die Gegenstände. Im Gegensatz dazu stützt sich die analoge Kommunikation auf das Ähnlichkeitsprinzip. Als Beispiel kann man die Zeichensprache nennen: Wenn man die Hand zum Ohr hebt und macht die gleiche Geste wie beim Halten des Handys, dann kann man sofort verstehen, was man damit meint, weil solche Geste die Assoziation im Bewusstsein auslöst. Anders ausgedrückt ist der Zusammenhang immer nachzuvollziehen. Während die digitale Kommunikation für die Entwicklung der Gesellschaft und für die Übermittlung des Wissens von einer Generation zur anderen unabdingbar ist, findet die analoge Kommunikation die breite Anwendung auf dem Gebiet der Beziehungen. D. h. manchmal sind die Worte überflüssig, wenn es beispielhaft um die Liebesbeziehungen geht, weil man sogar ohne Worte seine Gefühle ausdrücken kann. Ein anderes Beispiel: Bei der Arbeit mit den an Demenz leidenden älteren Menschen bezieht man sich mehr auf die analoge als auf die digitale Kommunikation. Sehr oft ist es wichtiger, ihre Hand zu streicheln, um die Aufmerksamkeit und Unterstützung zu zeigen, als sich in lange Reden zu stürzen, die wahrscheinlich die Adressaten nicht erreichen werden. Man kann keine strenge Grenze zwischen den beiden Kommunikationsformen ziehen, weil sie in der Regel einander ergänzen und Hand in Hand gehen. Aus der wissenschaftlichen Sicht muss man sich aber mit Unterschieden auseinandersetzen, die nicht nur im Anwendungsbereich liegen, sondern vor allem in der Struktur. Digitales Mitteilungsmaterial kennzeichnet sich durch Komplexität, Vielseitigkeit und Abstraktion, was davon zeugt, dass die digitale Kommunikation über die komplexe Syntax verfügt. Als Beispiel kommt der kausale Zusammenhang in Betracht: Nur mit den Worten kann man solche komplexe Struktur ausdrücken: „Wenn man umgehend keine Umweltschutzmaßnahmen ergreift, dann stellt sich die Menschheit vor die größte Klimakatastrophe – Erwärmung“. Man ist nicht imstande, diese Kausalität „wenn – dann“ mit Hilfe der analogen Kommunikation wiederzugeben. Die begrenzten Ausdrucksmöglichkeiten lassen einem die abstrakten Begriffen auch nicht ausdrücken. Das ist sehr zweifelhaft, dass man durch die nonverbale Kommunikation das Phänomen „Freiheit“ entweder darstellen oder erläutern kann. Deshalb kann man über die mangelnde logische Syntax sprechen. Das nächste Vergleichskriterium, das wir jetzt beleuchten, bezieht sich auf die Semantik. Für die analoge Kommunikation ist die Doppelbedeutung charakteristisch, d. h. dass beispielsweise Lächeln sowohl Zuneigung als auch die Verachtung ausdrücken kann, genauso wie die Tränen sowohl durch Schmerz als auch durch Freude ausgelöst werden können, wobei man in Schwierigkeiten steckt, wenn man die genaue Bedeutung bestimmen muss. Dafür muss man die Intuition einsetzten. Im Unterschied dazu besitzt die digitale Kommunikation kein ausreichendes Vokabular zur klaren Definition von Beziehungen. Das Wort „Liebe“ ist auf der Ebene der digitalen Kommunikation ziemlich eindeutig. Man kann natürlich widerlegen und sagen, dass es viele verschiedene Bedeutungen darunter gemeint werden können. Aber diese sozusagen Varianten der Liebe (Liebe zum Lebensgefährten, Liebe zu den Eltern, zu den Freunden etc.) werden eben in der analogen Kommunikation unterschieden. Die menschliche Kommunikation wird durch ständiges Übersetzen von einer „Sprache“ in die „andere“ erschwert, weil jeder solcher Prozesse zum Verlust an der Information führt. Es ist bemerkenswert, dass die Übersetzung den beiderseitigen Charakter hat: Man überträgt Information nicht nur vom Digitale ins Analoge, sondern umgekehrt auch, wobei die Information in beiden Fällen zum größten Teil verloren geht. Zum Beispiel kann man mit Worten alle zärtlichen Gefühle für den Geliebten nicht fassen, deshalb kann man sagen, dass die beiden Kommunikationsmodalitäten gar nicht gleichberechtigt im Beziehungsbereich sind. Das gilt aber auch im gleichen Maße für die digitale Information: Man kann mit den Gebärden die Diskussion um die Migrationsprozesse und ihre Folgen nicht vermitteln, ohne den Inhalt zu beeinträchtigen. Die beiden Kommunikationsformen hängen mit den im zweiten Axiom dargestellten Inhalts- und Beziehungsaspekten zusammen. Im Prinzip dient die digitale Kommunikation der Vermittlung der tatsächlichen Information, wobei der Beziehungsaspekt über analoge Kommunikation zum Ausdruck kommt. Zum Schluss kann man das vierte Axiom klar formulieren: Menschliche Kommunikation erscheint in zwei Formen: in der digitalen und in der analogen. Die digitale Kommunikation kennzeichnet sich durch komplexe und vielseitige Syntax, aber zugleich durch mangelnde Semantik. Die analoge Kommunikation verfügt dagegen über eine umfangreiche Semantik, aber eine unzugängliche Syntax.

Axiom 5. Symmetrische und komplementäre Interaktion

In der zwischenmenschlichen Situation weist das menschliche Verhalten zwei Beziehungsformen auf: symmetrische und komplementäre. Die Interaktion, in der die Gesprächspartner versuchen, sich gleich zu benehmen (man kann sogar vom Nachahmen in irgendwelchem Sinne reden), heißt die symmetrische Interaktion. Diese Art der Interaktion kann man an dem Verhalten der Kinder gut beobachten. Die Kleinen bemühen sich immer, den Erwachsenen nachzumachen. Trotzdem kann man auch sehr viele Beispiele unter den Erwachsenen auch finden. Sehr viele Menschen neigen dazu, das Benehmen der Autoritäten nachzumachen. In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf die nonverbale Kommunikation zurückgreifen. Während der Interaktion kann der Hörer unbewusst den Körperbewegungen des Sprechers nachahmen. Im Gegensatz dazu streben die Partner in der komplementären Interaktion nach den Unterschieden im Verhalten. Diese Erscheinung hängt sehr oft mit den sozialen Rollen zusammen (z.B. Lehrer und Schüller, das Kind und der Erwachsene). Dabei nimmt der eine die superiore Position und überlässt dem anderen die untergeordnete Rolle. Es ist zu bemerken, dass niemand den anderen zwingt die bestimmte Position einzunehmen. Das vollzieht sich von selbst: das konkrete Verhalten von einem bedingt das entsprechende Verhalten vom anderen. Von daher entstehen unter solchen Umständen kaum Konflikte, so Watzlawick. Wenn ins Spiel der Zwang eingebracht wird, dann kann man von der so genannten Metakomplementarität reden. D.h. ein Partner lässt den anderen die superiore Position einnehmen oder zwingt sogar den Letzteren dazu. Dasselbe gilt für die Metasymmetrie: wenn der eine dem anderen die symmetrische Beziehung gestattet. Die beiden Modelle stammen vor allem aus der Theorie und lassen sich kaum in der Praxis umsetzten. Im Anschluss entsteht die Frage, die von Watzlawick missachtet worden ist. In Bezug auf die Komplementarität handelt es sich hauptsächlich um die so genannten sozialen Rollen. Es gibt aber auch die psychologischen Rollen wie z. B. die von Eric Berne entworfenen Modelle: „Kindheits-Ich“, „Eltern-Ich“, und „Erwachsenen-Ich“. Berne nennt das Sozialaggregat, in dem sich die Menschen kommunizieren, „Transaktion“. Der ganze Transaktionsvorgang beruht auf dem Modell „Stimulus-Reaktion“, d.h. der eine Ich-Zustand durch den Stimulus eine bestimmte Reaktion bei dem anderen Ich-Zustand auslöst. Im Idealfall müssen die beiden Zustände „Erwachsenen-Ich“ sein, dann vollzieht sich die „Komplementär-Transaktion“. Sollte aber der „Erwachsenen-Ich“, der die angemessene Reaktion hervorrufen wollte, beispielsweise unerwartet die Reaktion des „Eltern-Ich“ oder “Kindheits-Ich“ auslösen, führt das zu so genannten „Überkreuz-Transaktionen“. Man muss unterstreichen, dass die letzten Beispiele viel häufiger vorkommen, als „Komplementär-Transaktionen“ [Berne:32 – 35]. Diese Form der Beziehungen ist sehr interessant, weil es keine Komplementarität mehr, aber als Symmetrie kann man das auch nicht bezeichnen. Anhand dieses Beispiels kann man zeigen, dass das fünfte Axiom nicht für alle Kommunikationssituationen gilt. Schlussfolgerungen: Aufgrund der von Paul Watzlawick entwickelten Axiome kann man die Haupteigenschaften der Kommunikation bestimmen. Im Mittelpunkt dieser Axiome steht die Kommunikation, die nur in der zwischenmenschlichen Situation denkbar ist. Deswegen ist es unmöglich, in solcher Situation nicht zu kommunizieren. Auf diese Weise formuliert der Wissenschaftler sein erstes Axiom. Wir betonen aber noch eine erforderliche für die Kommunikation Bedingung – und zwar die kommunikative Absicht. Kommunikation nimmt zwei Formen ein: digitale und analoge. Die erste dient zur Wiedergabe des Inhaltsaspekts jeder Mitteilung, wobei die andere für den Beziehungsaspekt von großem Gewicht ist. Die erheblichen Unterschiede zwischen diesen Modalitäten liegen in der Syntax und Semantik. Während für die digitale Kommunikation komplexe Syntax, aber kärgliche Semantik typisch ist, besitzt die analoge Kommunikation hingegen umfangreiche Semantik aber ziemlich simple Syntax. Da die Interaktion den kreisförmigen Charakter hat und dementsprechend ununterbrochen ist, unternimmt man Versuche, aufgrund des Begriffs „Interpunktion“ die Struktur der Interaktion festzustellen: Da Interpunktion als subjektiv empfundener Ansatz der Interaktion gilt, bestimmt sie auch die Beziehungen der Partner. Letztendlich kommt man zu den Begriffen „Symmetrie“ und „Komplementarität“, durch die man das Verhalten der Partner im Rahmen der Interaktion bestimmt. Während der symmetrischen Kommunikationsabläufe tendieren die Partner sich gleich zu verhalten. Im Gegenteil dazu bevorzugen die Partner unter den komplementären Bedingungen, sich unterschiedlich zu benehmen, wobei aber die Unterschiede den ergänzenden Charakter haben.

Literaturverzeichnis

1. Berne, E.: Spiele der Erwachsenen. Reinbeck bei Hamburg: Rohwolt: 1971/ Transaktions-Analyse – S. 32 – 39. 2. Burkart, R.: Kommunikationswissenschaft. 3. erw. Aufl. – Wien, Köln, Weimar: Bölbau: 1998. – 585 S. 3. Krallmann D., Ziemann A.: Grundkurs Kommunikationswissenschaft. München: Fink: 2001. – 348 S. 4. Tomasello, M.: Kulturelle Entwicklung des Denkens. Frankfurt am Main: Surkamp: 2002 / Sprachliche Kommunikation – S. 114-159. 5. Ungeheuer G. Kommunikationstheoretische Schriften I: Sprechen, Mitteilen, Verstehen. Aachen: Rader: 1987/Gesprächsanalyse und ihre kommunikationstheoretischen Voraussetzungen. – S. 144-175. 6. Watzlawick P., Bavelas J. B., Jackson Don D. Menschliche Kommunikation. 2. unveränd. Aufl. Bern: Huber: 1971/ Pragmatische Axiome – S. 50 – 72.

Elena Stelmachenko (Master)

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